manager-lounge Newsletter April 2011

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Gute Zeiten - schlechte Zeiten

Lange konnte Deutschlands Wirtschaft aus dem Vollen schöpfen - Bewerbungen gab es genügend. Doch das ändert sich. Und je stärker die Wirtschaft wächst, umso mehr verschärft sich das Problem. Gute Zeiten für Absolventen, schlechte für Unternehmen. »weiterlesen

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Forum: Die aktuellen Diskussionen

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Hofweber

Mit Philosophie das eigene Potential entfesseln

Was nach Hippie-Denke klingt, hat einen seriösen Hintergrund: Wer sich selbst erkennt, der kann das eigene Potential entfesseln. Ein business breakfast mit dem Philosophen Reinhard Hofweber. »weiterlesen

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brandenburg

„Schiffbruch der westlichen Schönwetterkapitäne“

Management-Stile aus Japan, das ist bekannt. Doch aus China? Torge Brandenburg unter anderem über die Frage, was Deutschland von den Chinesen lernen kann. »weiterlesen

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Lunchtalk Berlin, 19.04.2011, 12:30 Uhr

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Thema: Was Politik und Medien verbindet
Referent: Jan Fleischhauer, Redakteur beim SPIEGEL und Autor

local lounge Berlin, 20.04.2011, 19 Uhr

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Thema: Trennung vom Unternehmen - Was tun?
Referent: Reinhold Kopp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, HEUSSEN-LAW

local lounge Shanghai, 04.05.2011, 18:30 Uhr

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Thema: Vietnam - das nächste China!
Referent: Jan Noether, Delegate and Chief Representative
Delegation of German Industry & Commerce

local lounge Hannover, 05.05.2011, 19 Uhr

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Thema: Effektive Umsetzungsstrategien für Führungskräfte
Referent: Dr.-Ing. Lars Vollmer, geschäftsführender Gesellschafter
der Vollmer & Scheffczyk GmbH (V&S)

local loune Wien, 10.05.2011, 19:00 Uhr

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Thema: Transparency International - die Koalition gegen Korruption
Referentin: Frau Prof. Eva Geiblinger, Vorstandsvorsitzende
von Transparency International

Clubangebot , 12.05.2011 - 15.05.2011

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Thema: Kommunikation: Ein Wochenende im Kloster

local lounge Köln, 12.05.2011, 19:00 Uhr

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Thema: Exklusive Führung über die Dächer des Kölner Domes
Referent: Dr. Klaus Hardering, Leiter des Dombauarchivs

local lounge München, 16.05.2011, 19 Uhr

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Thema: Ideen auf Knopfdruck - Entfalten Sie Ihr Potenzial
Referent: Peter Kürsteiner, Coach, Moderator, Autor

local lounge Nürnberg, 17.05.2011, 19 Uhr

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Thema: Wie Sie Fehler im internationalen Kundenkontakt vermeiden
Referentin: Friederike von der Marwitz, Inhaberin der Akademie „von der Marwitz“

local lounge Berlin, 18.05.2011, 19 Uhr

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Thema: Die nächste Stufe der Krise - Der Inflationsschock
Referent: Dr. Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur manager magazin

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Gute Zeiten - schlechte Zeiten

Hamburg - Es liest sich ein wenig säbelrasselnd, die Phrase vom "Krieg um die Talente". Und doch birgt der Satz einiges an Sprengkraft. Längst nicht alle Unternehmen haben diese Erkenntnis bereits in die Tat umgesetzt.

Dabei liegen die Tatsachen seit Jahren offen vor. Talente, seien sie erfahren oder erst am Anfang ihrer Karriere, bringen die Unternehmen voran. Und Talente sind sowieso rar. Gesellt sich dazu ein drohender Fachkräftemangel, wird die Lage prekär. Kein Wunder, dass die Suche nach dem Nachwuchs immer wichtiger wird. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des Beratungshauses Mercer. 80 Prozent der 2010 befragten 200 Unternehmen sagten, es käme in den kommenden drei bis fünf Jahren darauf an, sich die Schlüsseltalente zu sichern. Und eine Kienbaum-Studie aus diesem Jahr titelt: "Der Wettbewerb um High Potentials spitzt sich zu."

Alternde Gesellschaft

Denn die Gesellschaft altert. Nicht nur in Deutschland hat sich die grafische Darstellung der Altersstruktur deutlich verändert - aus der Pyramide mit vielen Jungen und wenigen Alten ist ein Pilz geworden. Ein schwacher Unterbau trägt einen voluminösen Oberbau. Das hat erhebliche volkswirtschaftliche Folgen. Je mehr eine Gesellschaft altert, umso geringer ist ihr Wirtschaftswachstum, hat David Foot, Professor an der Universität von Toronto, ausgerechnet. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Wechselwirkungen zwischen Demografie und Wirtschaft. Allein schon aus diesem Grund wachsen die aufstrebenden Länder wie China oder Indien mit ihrer durchschnittlich viel jüngeren Bevölkerung deutlich stärker als beispielweise Deutschland.

Diese Entwicklung lastet jedoch nicht nur auf der Volkswirtschaft als Ganzes - sie trifft eben auch die Unternehmen. Mit der Gesamtbevölkerung altern auch die Mitarbeiter der Firmen. In der Krise fiel es nicht auf, wenn die Unternehmen darauf nicht reagierten - denn niemand stellte ein. Und die Beschäftigten waren dankbar dafür, überhaupt eine feste Stelle zu haben. Doch seit die Wirtschaft wieder wächst und Mitarbeiter gesucht werden, ist das Schlagwort "Kampf um die Talente" wieder da. Mit Blick auf die USA prophezeit zum Beispiel Jeffrey A. Joerres, Vorstand der Zeitarbeitsfirma Manpower: "Die Wirtschaft wird 2011 wieder an Kraft gewinnen und die Unternehmen müssen mit ihren Angestellten arbeiten, um deren volles Spektrum an Fähigkeiten zu entfesseln."

Mehr als nur Geld

Die einfachste Lösung, um in diesem Kampf zu bestehen, ist Geld. Promovierte Rechtswissenschaftler zum Beispiel erhalten heutzutage ein jährliches Einstiegsgehalt von 52.000 Euro, so die Kienbaum-Studie. Doch künftig wird Geld allein eben nicht mehr genügen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die „Global Salary Survey 2011“ des internationalen Recruitment-Unternehmens Robert Walters. Darin werden unter anderem die Gehaltszuwächse in deutschen Banken und im Finanzdienstleistungssektor untersucht. 2010 waren sie marginal. „Obgleich wir davon ausgehen, dass die Gehälter steigen, werden auch andere Bestandteile des Vergütungspakets wahrscheinlich an Bedeutung gewinnen, da der Kampf um die Talente intensiver wird“, heißt es dort. Zum Beispiel würden die soziale Umgebung und die Karrierechancen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Und in der Kienbaum-Studie heißt es, die Übertragung attraktiver Aufgaben oder von mehr Verantwortung sei so ein Lockmittel. Ernst Wühr ist Head of Dental Business Germany & Austria bei der Kuraray Europe und Mitglied der manager-lounge: "Es gibt immer andere Möglichkeiten, die nicht im monetären Bereich angesiedelt sind. Zu denken ist hierbei an Employability-Förderung oder auch Work-Life-Balance."

Und Manpower-Vorstand Joerres sagt mit Blick auf potentielle Mitarbeiter: "In einer Ära, in der sich der Wettbewerb um die Talente deutlich verschärfen wird, müssen Sie die besten Angestellten auf der menschlichen Ebene ansprechen, um sie zu halten." Das gleiche Bild zeigt sich in Deutschland, wie die Kienbaum-Studie ergibt. Förderprogramme sollen den Nachwuchs locken. 71 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland bieten zum Beispiel interne Weiterbildungsmaßnahmen an.

Tatsächlich ist diese Erkenntnis längst in den Unternehmen angekommen. Sigrid Lenk-Kubelka ist Personaldirektorin bei Mars Petcare Deutschland und sagte gegenüber einer Lebensmittelzeitung: "In 2011 gilt es, die Herausforderungen zu meistern, die der demographische Wandel an uns stellt. Die Entwicklung eines Arbeitsumfeldes, in dem Lernfähigkeit und Erfahrung eines breiten Altersspektrums effektiv genutzt werden können, wird ein ganz entscheidender Faktor zukünftiger Wettbewerbsfähigkeit sein." Und Christian Voigt von Siemens, Mitglied der manager-lounge, fragt: "Im Vertrieb gilt die Regel: Einen Neukunden zu gewinnen, kostet zehnmal so viel, wie einen bestehenden Kunden zu pflegen. Und in der Personalarbeit sollen andere Regeln gelten?"

Größe ist nicht alles

Die beruhigende Erkenntnis für die Unternehmen - gute Mitarbeiter müssen nicht automatisch bei den Dax-30-Firmen landen. Ingenieure zum Beispiel zieht es oft in den deutschen Mittelstand, weil sie dort ihrer Konstruktionsleidenschaft nah am Produkt frönen können. Und flache Hierarchien sind gleichfalls ein Lockmittel. Lockmittel, die bei der absehbaren Arbeitskräfteknappheit immer wichtiger werden. Gute Zeiten also für die künftigen Angestellten - und eine Herausforderung für die Unternehmen.

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Mit Philosophie das eigene Potential entfesseln

mm: Authentizität - das klingt fast schon hippiehaft, nach "sei Du selbst und alles wird gut". Ist es so einfach?

Hofweber: Das Einfache ist ja gerade das Schwere. Man darf das Einfache nicht mit dem Leichten verwechseln. Es ist sehr schwer, 'einfach' man selbst zu sein. Man selbst zu sein bedeutet ja, der zu sein, der man tatsächlich ist, und nicht eine Rolle zu spielen, die in der gegenwärtigen Situation gerade sinnvoll zu sein scheint. Wir agieren meistens in Rollen, weil wir einerseits meinen, dies sei nötig, andererseits befürchten wir, als der, der wir sind, nicht genügen zu können. Wir verbrauchen dabei sehr viel Energie, die wir zielführender einsetzen können. Zu werden, wer wir sind, ist weder hippiehaft noch esoterisch, sondern mit der Struktur unseres Bewusstseins verbunden. Wir bewegen uns dabei auf dem Boden der Wissenschaft der Philosophie und im ständigen Dialog mit der aktuellen Forschung.

mm: Wie kann die Authentizität gesteigert werden?

Hofweber: Durch Selbsterkenntnis. Authentizität bedeutet, so zu sein, wie man ist, und zwar auch dann, wenn bestimmtes Rollenverhalten erwartet wird. Dazu muss ich aber wissen, wer ich bin, und erfahren, dass ich als Mensch genüge und in mir das Potenzial habe, die bestehenden Anforderungen zu bewältigen. Die Folge ist nicht nur ein größeres Selbstwertgefühl, sondern auch eine gesteigerte Präsenz, Ausstrahlung und Entschlossenheit. Eines muss in diesem Zusammenhang ganz grundsätzlich gesagt werden: Authentizität lässt sich nicht durch technische Trainings, Ratschläge, Tools oder äußere Maßnahmen steigern. Die herkömmlichen Methoden scheitern hier kläglich.

Nachdenklichkeit ist kein Selbstwert

mm: Aber können wir nicht davon ausgehen, dass bei Führungskräften - nicht zuletzt durch die angesprochenen Methoden - bereits ein hohes Maß an Selbstreflexion vorhanden ist? Ist damit nicht auch eine Selbsterkenntnis verbunden?

Hofweber: Wir sind ständig mit Selbstreflexion beschäftigt. Dagegen ist die Selbstwahrnehmung unterentwickelt. Selbstreflexion bedeutet eine äußere Betrachtung unserer selbst. Wir betrachten uns dabei wie einen anderen und geben uns selbst gute Ratschläge. Damit setzen wir uns aber nur zusätzlich - und überflüssiger Weise - unter Druck. Selbstreflexion ist wie ein Laufen im Hamsterrad: sie führt zu nichts. Selbstwahrnehmung ist dagegen die vernünftige Sicht auf mich selbst. Dabei sind Fragen wichtig wie: Wie geht es mir mit dem, was ich tue? Erfahre ich mich noch als aktiv handelnd oder habe ich nur noch den Eindruck, in Sachzwängen zu reagieren? Will ich das überhaupt noch, womit ich alltäglich beschäftigt bin? Was macht mich als Mensch überhaupt aus? Manche befürchten, dass sie dergleichen Fragen vom eingeschlagenen Weg abbringen könnten und dass sie feststellen, sie würden eigentlich lieber etwas ganz anderes machen. In Wirklichkeit geht es aber darum, sich selbst in der gegebenen Situation neu zu erfahren und das darin liegende Potenzial zu entdecken. Die Selbstreflexion in eine vernünftige Selbstwahrnehmung zu transformieren, ist ein wesentliches Ziel des Kurses zur Authentizität.

mm: Ist so ein Prozess heute überhaupt noch möglich - Stichwort Zeitdruck?

Hofweber: Es ist schon wichtig, sich für eine Weile auszuklinken und sich Zeit zu nehmen. Zeit allein reicht aber nicht. Es bedarf noch der richtig geführten denkerischen Auseinandersetzung. Hat der Prozess einmal richtig angefangen, setzt er sich von alleine auch im Arbeitsalltag und unter Belastung fort.

Philosophisches Denken ist streng

mm: Wie helfen solche "besinnlichen" Themen dabei, das eigene Potential auszuschöpfen?

Hofweber: Wir sitzen in den Kursen ja nicht unterm Weihnachtsbaum und warten aufs Christkind, sondern wir besinnen uns, indem wir intensiv nachdenken. Viele meinen, das Denken hätte ein hohes Maß an Beliebigkeit, wenn es um solche Themen geht. Aber dies ist eine gänzlich falsche Vorstellung. Philosophisches Denken über die Authentizität oder verwandte Themen erfordert eine sehr große Strenge und Aufmerksamkeit. Dabei nähern wir uns Schritt für Schritt der Sache und niemand wird gezwungen, Gedanken zuzustimmen, die er nicht selbst nachvollziehen kann. Indem jeder die essentiellen Gedanken selbst denkt, beginnt er bereits, sein eigenes Potenzial auszuschöpfen. Denn unser Potenzial wird vor allem durch falsches Denken limitiert. Richtiges Denken dagegen hilft uns enorm dabei, unser Potenzial auszuschöpfen.

mm: Ist die Zahlenfixierung, die Fokussierung auf bestimmte, kurzfristig erreichbare und messbare Ziele, ein Stolperstein auf dem Weg zu "mehr Authentizität"?

Hofweber: Definitiv ja. Die größte Gefahr besteht aber nicht darin, dass der Arbeitsalltag immer schneller getaktet ist, sondern darin, dass wir die Authentizität selbst zu einer messbaren Größe depotenzieren. Wir wollen dann die Authentizität als ein Mittel zu mehr Erfolg instrumentalisieren. Aber dies ist unmöglich. Wenn es uns gelingt, authentischer zu werden, dann hat dies zunächst zur Folge, dass ich mehr der sein kann, der ich bin, dass ich in all meinem Handeln mit meiner Person vorkomme, dass ich mich nicht künstlich in verschiedene Rollen aufteilen muss - Stichwort Work-Life-Balance - und dass ich mich in Drucksituationen als viel handlungsfähiger erlebe. Die unmittelbaren Folgen der gesteigerten Authentizität sind eine Zunahme an Gelassenheit, ein größeres Glücksgefühl, ein intensiveres Lebensgefühl und eine Stärkung der Handlungsbereitschaft. All dies geht Hand in Hand mit einer Steigerung des Erfolgs. Aber dies ist eher eine automatische Folge. Es zeigt sich hier ein fundamentales Grundgesetz: Wenn die Prinzipien geklärt sind, lösen sich die operativen Probleme von alleine.

"Dann kommt alles von allein"

mm: Besteht nicht die Gefahr, dass zu Ihren Kursen nur jene Menschen kommen, die sich mit solchen Fragen schon befasst haben - und jene Menschen ausbleiben, die einen solchen Kurs viel nötiger hätten?

Hofweber: Nein. Die Menschen kommen aus unterschiedlichen Motiven und in unterschiedlichen Lebenssituationen. Eines eint aber alle Kursteilnehmer: die Bereitschaft, sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen. Offenheit für unbekannte Gedanken aus einem ganz anderen Bereich, die Lust, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen und Neues zu lernen, und der Wille, die eigene Lebenslage aktiv und lösungsorientiert anzugehen, sind die besten Voraussetzungen für die Teilnahme an einem meiner Kurse. Alles andere kommt dann von alleine, wenn man begonnen hat, sich auf den Weg des Denkens zu begeben. Philosophisches Denken ist enorm inspirierend. Es braucht dazu weder Vorkenntnisse noch Fachwissen. Das Denken enthält eine immanente Logik, und diese führt uns zur Erkenntnis unserer selbst. Je mehr wir uns erkannt haben, desto authentischer können wir sein.

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„Schiffbruch der westlichen Schönwetterkapitäne“

mm: Von Chinesen lernen mit Blick aufs Management, das klingt etwas befremdlich - was genau können wir lernen?

Brandenburg: Wir können vor allem den ganzheitlichen Ansatz lernen. Und die Identifikation der Chinesen mit ihrem, oftmals chinesischen, Arbeitgeber ist in der Regel höher als im Westen.

mm: Ist diese Erkenntnis so leicht auf den Westen übertragbar?

Brandenburg: Nein, leicht ist so eine Übertragung nicht. Aber machbar ist sie schon - mit Adaptionen.

mm: Braucht chinesisches Management chinesische Arbeitnehmer, chinesische Weisungsempfänger, die diese Kultur bereits kennen?

Brandenburg: Nein, wie überall auf der Welt braucht es Persönlichkeiten, die Identität und Sinn stiften.

Kann China Krise?

mm: Bisher musste China vor allem starkes Wachstum handhaben. Können Chinas Manager auch die Krise?

Brandenburg: Klar, Krise gehört dort sozusagen zum Tagesgeschäft. Chinas Unternehmer arbeiten in China unter Umständen, die für jeden deutschen Manager ein totales Krisenszenario wären. Schiffbruch in China erleiden doch vor allem die "Schönwetter-Kapitäne" aus dem Westen.

mm: Welche Rolle spielt die Politik im chinesischen Management? Schließlich wird das Land sehr dirigistisch geführt.

Brandenburg: Gesetze, Verordnungen und Richtlinien, die als Einengung wahrgenommen werden, gibt es dort und übrigens auch hier. Unternehmer neigen dazu, sich mit solchen Umständen zu arrangieren. Hier wie dort.

mm: Auf welche Wurzeln greift Management in China eigentlich zurück?

Brandenburg: Traditionelle chinesische Medizin mit ihrem ganzheitlichen Ansatz, nicht der bloßen Behandlung von Symptomen, die Lehren des Konfuzius, die Kriegskunst des Sunzi, 36 Strageme, einem Buch über die Kriegskunst, Gemeinschaft vor Individualität - das sind alles Themen, die in China noch immer stark wirken. Ähnlich wie bei uns die christlichen Grundwerte und die Arbeiten von Kant, Herder und später Hegel und Schopenhauer - ohne die soziale Marktwirtschaft und freiheitliches Denken bei uns nicht vorstellbar gewesen wären. Der größte Unterschied zu uns ist, dass der höchste gesellschaftlich anerkannte Wert nicht wie bei uns die individuelle Freiheit ist, sondern die Anerkennung von auch individueller Souveränität.

Mehr als nur Mode

mm: Wie groß ist eigentlich die Gefahr blinder Übernahme von Manager-Moden - wie zum Beispiel in den 90er Jahren, als alles nach Kaizen aus Japan durchstrukturiert werden musste?

Brandenburg: Wenn es Adaptionen gibt, zum Beispiel ein langsames Hineinwachsen, einen bewussten Umgang mit sinnvoller Veränderung, dann wird es klappen. Nur den Hebel umzulegen und zu rufen "Ab morgen wird alles gut, wenn wir nur Chinesisch genug sind", wird nicht funktionieren.

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