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manager-lounge Newsletter April 2013

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Stefan Kindermann

Was Manager vom Spiel der Könige lernen können

Läufer als Vorbild für Manager, klar. Aber Schachspieler? Natürlich, findet Schachgroßmeister Stefan Kindermann. Und erklärt, warum. »weiterlesen

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Forum: Die aktuellen Diskussionen

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Gepinselte Performance

Gepinselte Performance

Kunst gehört an die Wand, nicht ins Depot - oder doch? Immer mehr Menschen wenden sich von diesem Glaubenssatz ab. »weiterlesen

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Die japanische Bazooka

Die Zentralbank Japans hat Ernst gemacht - und mit einer neuen Politik die währungspolitische Bazooka abgefeuert. Ein Kracher für die Börse. Und für die Wirtschaftspolitiker des Westens ein Denkanstoß. »weiterlesen

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Terminvorschau

Hannover, 17.04.2013, 19 Uhr

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Thema: "Managed Service Providing" - Für wen es sich lohnt, wo der Trend hingeht
Referent: Volkmar Knaup, Geschäftsführer, ManpowerGroup Solutions

Hamburg, 17.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Ungeahnte Gesprächserfolge durch Optimierung der
Eigen- und Fremdwahrnehmung
Referent: Marco Löw, Geschäftsführer und Inhaber, Löw & Partner, BWA-Senator

Berlin, 17.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Rundum Bewusst - Bewusst Gesund
Referenten: Claudia Maria Gräfin Brockdorff, Philip-Henning Graf Brockdorff,
Gründer make your way different e.V.

Stuttgart, 18.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Wie Sie im Kampf um die besten Talente erfolgreich sind
Referenten: Dr. Markus Baumanns, früher Geschäftsführer Bucerius Law School;
Dr. Torsten Schumacher, Unternehmensberater; beide Gründer und Gesellschafter von schumacher&baumanns. the company companions

Düsseldorf, 18.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Über den Wolken - im Flugsimulator A 320

Köln, 18.04.2013, 19 Uhr

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Thema: BerenbergArtTalk "Die Kunst in Kunst zu investieren",
Vorstellung manager magazin Kunstkompass 2013
Referenten: Dr. Arno Balzer, Chefredakteur manager magazin;
Christian Boros, Kunstssammler / Unternehmer; Dr. Stefan Horsthemke,
Geschäftsführer Berenberg Bank; Moderation durch Gesa Eberl, n-tv

München, 22.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Strategien der Schachgroßmeister für Entscheider - die Kunst
des Perspektivwechsels
Referent: Stefan Kindermann, internationaler Schachgroßmeister,
Mitbegründer der Münchener Schachakademie, Autor, SZ-Kolumnist

Shanghai, 23.04.2013, 18.30 Uhr

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Thema: Lesung "Der nächste Kalte Krieg: China gegen den Westen"
Referent: Wolfgang Hirn, Redakteur manager magazin, Buchautor

Berlin, 23.04.2013, 19 Uhr

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Thema: "Made in Berlin" - Von Berlin in alle Welt, seit mehr als 100 Jahren
Referentin: Yvonne Hoffmann, geschäftsführende Gesellschafterin,
Hoffmann Dental Manufaktur GmbH

Nürnberg, 25.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Von der Idee zur Innovation - Innovationsimpulse erfolgreich managen
Referent: Prof. Dr. Alexander Brem, Professor für Ideen- und
Innovationsmanagement, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Frankfurt, 25.04.2013, 19 Uhr

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Thema: Entdecke den Ironman in dir - die Kraft der Gedanken
Referent: Slatco Sterzenbach, 17-facher Ironman, Dipl.-Sportwissenschaftler

Barcelona, 26.04.2013, 12 Uhr

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Referent: Prof. Meinhard Miegel, Vorstandsvorsitzender, Denkwerk
Zukunft - Stiftung Kulturelle Erneuerung

Hamburg, 29.04.2013, 17.40

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Thema: Das politische Gespräch
Referent: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes

Zürich, 30.04.2013, 18.30 Uhr

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Thema: Hat Solarenergie eine Zukunft?
Referent: Prof. Dr. Eicke R. Weber, Leiter Fraunhofer-Institut
Solare Energiesysteme ISE, Inhaber Lehrstuhl Physik/Solarenergie 

Köln, 07.05.2013, 19 Uhr

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Thema: Resilienz - über den unterschiedlichen Umgang mit Belastung
Referentin: Karin Burmeister, systemische Coach, REISS-Profil-Master

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Was Manager vom Spiel der Könige lernen können

mm: Schach als Vorbild für Entscheider - was bringt das im Vergleich zu anderen Vorbildern, zum Beispiel Ausdauersport?

Kindermann: Profischach gehört zu den emotional anspruchsvollsten Sportarten - auf einer Ebene mit Formel-1-Fahren oder Boxen, das ist wissenschaftlich klar belegt. Während an der sichtbaren Oberfläche Ruhe herrscht, tobt innerlich ein Sturm. Die Körper der Spieler reagieren wie in einem Kampf auf Leben und Tod: Der Puls steigt über 180, unter dem Hemd rinnt der Schweiß in Strömen. Immer wieder müssen unter starkem Zeitdruck und Stress Entscheidungen getroffen werden, die über den Ausgang der Partie, den Sieg im Turnier oder die Qualifikation zur Weltmeisterschaft und eine ganze Karriere entscheiden. Ein einziger Fehlgriff nach 40 genialen Zügen lässt eine großartige Konstruktion zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Unter diesen extremen Bedingungen lösen die Schachgroßmeister Probleme höchster Komplexität. Dies spiegelt sehr gut die typischen Herausforderungen im modernen Management wieder.

mm: Aber - muss es wirklich Spitzenschach sein, also eine Leistungsklasse, die Ottonormalspielern fremd sein dürfte?

Kindermann: Das Besondere am Denken der Großmeister ist, dass sie trotz einer unüberschaubaren Vielzahl an Möglichkeiten, nur zum kleinen Teil vorhersehbarer Konsequenzen und im Lichte des Ungewissen schnelle und mutige Urteile und Entscheidungen treffen müssen. Wichtig ist, dass ihnen dieser Umstand stets bewusst bleibt und sie, sobald die neu entstandene Situation und neu gewonnene Informationen es nahe legen, jederzeit zu einer flexiblen Anpassung bereit sind. Notfalls werfen sie den Plan auch gänzlich und ohne falsche Sentimentalität über Bord. Professor Robert von Weizsäcker vergleicht das sehr schön mit einem mühselig gebauten Segelschiff aus Streichhölzern, das man mit einem Schlag zerstört, ohne ihm nachzutrauern. Diese offene und flexible Haltung ist noch weit wichtiger als jede formale Struktur!

mm: Klingt rabiater als man es Schach gemeinhin zutraut.

Kindermann: Ein ganz zentraler Punkt für meisterliches Planen und Entscheiden ist die richtige Kombination von Ratio und Intuition. Der Intuition wird im Königsplan eine sehr wichtige Rolle eingeräumt, grundsätzlich steht sie am Anfang und Ende jeder Planung. Denn die unvorstellbare Anzahl der Möglichkeiten im Schach sprengt die Grenzen jedes rechnerisch-rationalen Zugriffs. Man schätzt, dass es weit mehr mögliche Positionen im Schach als Atome im bekannten Weltall gibt. Gleichzeitig wird die Intuition aber in eine rationale Struktur eingebettet, die sie kritisch prüft, vor intuitiven Fehlern schützt und die Intuition immer wieder an kritische Punkte heranführt. Eine weitere entscheidende Voraussetzung für jeden kreativen Prozess stellt die Kunst des Perspektivwechsels, also die Fähigkeit dar, eine Lage bzw. Problem aus verschiedensten Blickwinkeln zu betrachten und zu analysieren. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, sich auch in die Position des Gegenübers zu versetzen, um dessen Absichten zu verstehen und sich bestmöglich darauf einzustellen. Eben dies wird in unserem Modell gezielt trainiert.

mm: Gerade Ausdauersport wie Laufen ist populär unter Entscheidern - wie sieht es bei Schach aus?

Kindermann: Ja, zum einen gibt es einige Beispiele ehemaliger Schachprofis, die später sehr erfolgreiche Wirtschaftskarrieren eingeschlagen haben, wie zum Beispiel Ken Rogoff, der nach seiner Schachkarriere Ökonomie-Professor in Yale und Harvard und später Präsident des Internationalen Währungsfonds wurde. Umgekehrt gibt es eine ganze Reihe von Führungskräften, die starke und begeistere Schachspieler sind, so zum Beispiel der Finanzchef der Deutschen Bahn Richard Lutz oder natürlich Peer Steinbrück. Sie alle betonen, wie sehr sie das schachliche Denken geprägt und ihnen die Fähigkeit gegeben hat, einige Züge im Voraus zu denken.

mm: Schützt eine entsprechende Strategie auch vor psychologischen Fehlern, wie sie zum Beispiel an der Börse ("Behaviorismus") oft gemacht werden?

Kindermann: Ja, die erste der sieben Stufen unseres Modells Königsplan ist genau diesem zentralen Thema gewidmet: Wie kann ich mich innerlich optimal auf kritische Herausforderungen einstellen und wie gehe ich mit starken, zunächst als negativ erlebten Gefühlen um. Ziel ist es, die eigenen emotionalen Kräfte richtig zu nutzen und sich im Mentalbild als Surfer auf den eigenen Gefühlswogen zu erleben.

mm: Wie "greifbar" ist so eine Strategie? Sprich, ist sie konkret nutzbar oder eher als vager Ratschlag im Sinn eines "Die Kunst der Krieges" zu verstehen?

Kindermann: Das Modell Königsplan enthält eine ganze Reihe modular aufgebauter Planungswerkzeuge, die auf jedes konkrete Szenario angewandt werden können, bei dem es um die Lösung komplexer Aufgaben geht. Ratgeber wie die "Kunst des Krieges" empfinde ich auch als viel zu schwammig, zudem fehlen hier jegliche ethische Werte.

mm: Muss man Schach spielen können, um der Strategie zu folgen?

Kindermann: Nein, es ist ja gerade der Sinn des Königsplans, auch Schachlaien und Nichtschachspielern die besten Strategien der Schachgroßmeister, die in 1500 Jahren immer weiter entwickelt und verfeinert wurden, zugänglich zu machen.

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Gepinselte Performance

Hamburg - Der Mann, der vor der Kamera als Rocky oder Rambo zu eher robusten Problemlösungen griff, übt sich privat als feinsinniger Kunstinvestor. "Ich liebe die Bilder von Gerhard Richter, er ist der wunderbarste Maler, den wir im Moment haben", sagt der Schauspieler Sylvester Stallone. Investieren wie Haudrauf Rocky, kann das richtig sein? Kann es - mit Geschick und Glück.

Kunst ist tatsächlich eine mögliche Antwort auf die Eurokrise. "Ausfallrisiken in der Geldanlage sind den Kunden gewiss bewusster", beobachtet Philipp Herzog von Württemberg, Chairman Sotheby’s Europa & Geschäftsführer Sotheby’s Deutschland. "Das hat sicherlich auch Auswirkungen darauf, dass manche Kunden verstärkt in Kunst investieren." Und das hat Folgen. Immerhin erzielten Gemälde zuletzt immer wieder Höchstpreise bei Auktionen. Und es sieht so leicht aus, vorausgesetzt, der Kunstliebhaber verfügt über das nötige Geld. Über 75 Millionen Dollar gab ein Sammler für "No. 1 (Royal Red and Blue)" von Mark Rothko auf einer Auktion von Sotheby's im vergangenen November aus. "Die Suche nach 'Masterpieces' ist in jeder Kategorie überproportional gewachsen; dies sind vor allem die sogenannten Blue Chips - Werke von international etablierten Künstlern wie Pablo Picasso, Edvard Munch, Claude Monet oder Gerhard Richter, Martin Kippenberger, Jean-Michel Basquiat, Roy Lichtenstein, Andy Warhol", sagt von Württemberg. "Sie sind zu einer Ersatzwährung geworden, aber auch Künstler wie Isa Genzken und einige hervorragende Vertreter der zeitgenössischen indischen und chinesischen Kunst steigen auf." 

Angeblich sind es vor allem reiche Chinesen oder Russen, die zugreifen. Und nicht nur die. Auch Family Offices, Vermögensverwaltungen für die Superreichen, zeigen mehr und mehr Interesse an Kunst, raportiert der Art Fund Tracker von Fine Art Wealth Management. Und Carola Persiehl von Persiehl & Heine, Galerie für Fotografie, beobachtet: "Im Bereich der zeitgenössischen Kunst erlebe ich seit Jahren eine stetig steigende Nachfrage. Durch die gestiegene Aufmerksamkeit gegenüber Kunst und Kultur, unterstützt durch die Medien und Kulturveranstaltungen mit Eventcharakter, öffnet sich dieses Feld einem breiteren Publikum." Und es sind längst nicht mehr nur Kunstliebhaber. "Mit Sicherheit spielt für einige Kunden der Gedanke der Geldanlage eine Rolle und ist Anreiz für die Auseinandersetzung mit Kunst", auch wenn sie diese Entwicklung nicht unbedingt billigt. Eine "Investition in Emotionen" solle Kunst sein, sagt sie. Doch immer mehr Menschen wollen mehr - eine Rendite unabhängig vom Börsenchaos. Im Idealfall geht diese Rechnung auch auf. Doch sie setzt einen preisgünstigen Einstieg voraus.

Nur, wann ist der Einstieg günstig, wann ist ein Bild preiswert? In aller Regel dann, wenn der Künstler noch nicht wirklich im Kunstbetrieb angekommen ist. Genau das ist die schwierige Frage - was macht einen Künstler zur Kapitalanlage? Die Frage ist so komplex, dass Expertenrat eingeholt werden sollte. "Die Wertentwicklung eines Künstlers und seines Werkes abzuschätzen, hängt sehr stark von den jeweiligen Marktkenntnissen und den Netzwerken der Entscheider ab", sagt Stefan Horsthemke, Geschäftsführer der Berenberg Art Advice. "Für eine Einzelperson mit wenig Markterfahrung ist dies fast unmöglich. Für jemanden, der sich täglich in diesem Markt bewegt und alle notwendigen Kriterien kennt und diese auch befolgt, ist es hingegen möglich, ab einem bestimmten Punkt in der Künstlerkarriere die Entwicklung zumindest mittelfristig vorauszusehen." Denn auch beinharte Finanzexperten beißen sich an so einer Frage die Zähne aus. Kein Wunder also, wenn Banken sich verstärkt entsprechend aufstellen. "Das Schöne mit dem Nützlichen verbinden", wirbt die BW Bank auf ihrer Homepage für ihre Kunstberatung. "Während der ästhetische Wert stets im Auge des Betrachters liegt, unterliegt der ökonomische den Gesetzen des Marktes. Unsere Experten integrieren ihre Kunstwerke in eine ganzheitliche Vermögensberatung." Und die Hamburger Berenberg Bank hat mit der Berenberg Art Advice gleich eine ganze Unternehmenseinheit für Kunstlieber geschaffen. Dort arbeiten Menschen, die den Kunstmarkt und dessen Funktionsweise kennen. Bilder veröffentlichen nun einmal keine Quartalszahlen, so dass die Einteilung der Bilder in Schulen oder Ausführungen helfen soll. Studien sind beispielsweise regelmäßig weniger wert als fertige Gemälde. Auch der Rahmen spielt eine Rolle - handelt es sich zum Beispiel um den Originalrahmen?

Alles das soll sicherstellen, dass der Wert des Bilds steigt. Denn eine Verzinsung bietet Kunst nicht, auch keine Dividenden. Dazu kommen noch die Nebenkosten. Die Gebühren, die bei Auktionen oder Galerien fällig werden, liegen bei 20 Prozent des Kaufpreises. Da heißt es also günstig einzukaufen. Freilich, das muss nicht direkt, gewissermaßen in Ölfarbe und Leinwand, geschehen. Es gibt auch Fonds, die das machen - das Geld von Investoren einsammeln und in unterschiedliche Kunstwerke investieren. Einige sind sehr erfolgreich, berichtet Horsthemke, "zum Beispiel der British Rail Pension Fund oder die Fonds der Londoner Fine Art Fund Group (…). Viele gescheiterte Fonds haben im Ansatz zu hohe Kosten und kein unabhängiges Investmentkomitee. Wichtig ist, dass das Management keine Einzelentscheidungen bei An- und Verkauf treffen darf, dass alle Entscheidungen für die Anleger transparent dokumentiert werden und dass das Management am Erfolg beteiligt ist." Anschauen, so wie der Mime Sylvester Stallone, kann der Investor sie dann allerdings nicht. Und anfassen schon gar nicht. Angeblich hängt bei ihm zu Haus auch ein Bild von Anselm Kiefer, eines der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. "Es war Stroh drauf, Kiefer hat das Stroh mit Klebstoff befestigt", sagte der Schauspieler in einem Interview. "Dann sind aber welche heruntergefallen. Ich habe mich beim Kunsthändler beschwert. Aber der hat nur gesagt: ''Mr. Stallone, das muss so sein, das Bild geht durch eine Entwicklung, das Bild 'lebt'." Er habe die Halme einfach wieder "angeklebt".

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Die japanische Bazooka

Hamburg - Ob Mr. und Mrs. Watanabe über die harte Kurskorrektur der Bank of Japan (BoJ) erfreut sind, weiß man nicht. Mr. und Mrs. Watanabe sind das, was hierzulande der Ottonormalverbraucher ist. Mitbekommen zumindest dürften sie es haben, wie Haruhiko Kuroda den Kurs der Zentralbank neu bestimmte.

Ein "Feuerwerk der lockeren Geldpolitik", titelt die Commerzbank im fernen Frankfurt. "Weit über den vorigen Markterwartungen", schreibt JP Morgan aus Amerika. Japan will es wissen - und sich mit Inflation aus der Deflation befreien. Dazu hat die Zentralbank um Gouverneur Kuroda ihr "quantitative easing" deutlich ausgeweitet. Ein Schuss aus der Bazooka - und zwei Treffer.

Der erste ist der Aktienmarkt, der zweite die Zentralbanken der Welt. Lange bevor Kuroda den Abzugshebel drückte, krankte Japan an Deflation - an sinkenden Preisen, zurückhaltenden Kosnumenten, an einer horrenden Staatsverschuldung, eben an der Abwärtsspirale, die zuletzt auch als japanische Krankheit beschrieben wurde.

Ein übles Umfeld für eine Volkswirtschaft, aber auch schlecht für die versprengte Schar jener, die japanischen Aktien die Treue hielten. Der japanische Leitindex Nikkei schaffte über fünf Jahre gerechnet nur ein knappes Minus. Der Dax hingegen konnte um mehr als 10 Prozent zulegen. Die Bazooka Kurodas könnte das nun ändern.

Denn Kuroda hat angekündigt, in weniger als zwei Jahren mit 1,4 Billionen Dollar die Wirtschaft zu stützen und dazu vor allem Wertpapiere aufkaufen zu wollen: Staatsanleihen, börsengehandelte Indexfonds und Reits. Der plötzliche Geldstrom soll Unternehmen und Konsumenten aus ihrer Lethargie reißen. Ein unkonventioneller Schritt vor allem vor dem Hintergrund, dass die japanische Zentralbank bislang eher verhalten agierte. Nun der entschlossene Schritt; eine Blaupause für andere Zentralbanken? So recht können sich die Experten darüber nicht einigen.

"Als großes Pilotprogramm" sieht es June-Yon Kim, Manager des Fidelity Japan Fund. Ein Programm, das "Japan in unvermessenes Terrain katapultiert, zumindest im Vergleich zu anderen entwickelten Länden." Und entsprechend "achten Märkte und Zentralbanken anderer Länder die weiteren Schritte der BoJ, schon weil die skizziert hat, wie es weitergehen soll." Andere sind da eher skeptisch. Denn Japan mache nur das, was andere Zentralbanken bereits gemacht haben - die Probleme der Wirtschaft zuzuschütten.

Zu diesen Skeptikern gehört Marco Wagner, Analyst bei der Commerzbank. "Die Geldpolitik der BoJ - so aggressiv sie auch sein mag (auch im Vergleich zu ihrer eigenen Vergangenheit) - sucht weltweit definitiv nicht seinesgleichen", sagt er. "Die nun geplante Ausweitung der Geldbasis innerhalb der kommenden beiden Jahre ist von ihrer Geschwindigkeit ähnlich der, was wir bei der bei der EZB von Mitte 2001 bis Mitte 2012 gesehen haben, langsamer als die Fed Ende 2008 und Anfang 2011, langsamer als die BoE im Frühjahr bis Mitte 2009 sowie Herbst 2011 bis Ende 2012." Ein Wattebausch statt einer Bazooka?

Nein, das zumindest ist Konsens. "Die japanische Geldpolitik wird schon von internationalen Beobachtern und auch Notenbanken beobachtet, allerdings eher weniger als mögliche Blaupause", sagt Wagner. Und hat teilweise schon reagiert. "EZB-Vorstand Coeure hat dazu gesagt, dass der japanische Ansatz nicht kompatibel sei mit dem der EZB, weil sich die Problemstellungen der beiden Notenbanken unterscheiden würden. Die EZB befindet sich im Krisenbekämpfungsmodus, wohingegen die BoJ gegen die anhaltende leichte Deflation ankämpft."

Und das zieht die Blicke der Großinvestoren auf sich. Denn sie suchen, gerade in Zeiten, in denen starke Entwicklungen von Wertpapieren selten sind, nach den Hochprozentern. Japanische Aktien gehören derzeit dazu. Um 31 Prozent legte zum Beispiel der BGF Japan Small & MiDCap Opportunities zu - seit Beginn des Jahres. Und immerhin 14 Prozent hätte der Anleger einfahren können, hätte er nur auf den japanischen Standartindex gesetzt, zum Beispiel mit einem Exchange Traded Fund (ETF). "Und der jüngste Aufschwung war erst der Anfang", prognostiziert Japan-Experte Ben Williams vom Vermögensverwalter GAM. Und tatsächlich, die BoJ half dabei tatkräftig.

"Für uns spielt der japanische Aktienmarkt eine zunehmend größerer Rolle", sagt Thomas Hartauer von Lacuna. "Das ergibt sich hauptsächlich durch die fundamentale Bewertung, da speziell in unserem Sektor, dem Gesundheitsbereich, die Pharmabranche nach einer langjährigen Konsolidierung einen nachhaltigen Ausbruch nach oben vollzogen hat. Dieser Effekt wird sicher durch die Notenbankpolitik - vor allem im Hinblick auf die Währung - verstärkt."

Simon Somerville, Fondsmanager des Jupiter Japan Select, erklärt: "Abe hat drei Pfeile angekündigt", sagt er. "Einer zielt auf die Geldpolitik, einer auf die Fiskalpolitik und einer - im Juni - soll das heimische Wachstum stärken. Zusammen ist das ein signifikanter Unterschied zur vorigen Wirtschaftspolitik Japans und dürfte als langfristige Stützung für Realwirtschaft und Aktien angesehen werden." Kurt Schappelwein, Leiter der Abteilung Multi Asset Strategien bei Raiffeisen Capital Management, nickt: "Die Politik der Bank of Japan ist für japanische Aktien aus mehreren, voneinander nicht unabhängigen Gründen positiv zu beurteilen. Durch die Käufe von Anleihen sinken die Renditen derselben und machen sie unattraktiv, insbesondere wenn man unterstellt, dass das Inflationsziel erreicht wird. Die Liquidität, die die BoJ in den Markt pumpt, sucht sich also andere Ziele, wie zum Beispiel Aktien. Überdies schwächt die BoJ mit ihrer Politik die Währung, was zu steigenden Gewinnerwartungen für Export orientierte Unternehmen führt."

In der Tat befeuert diese Entwicklung den Währungskrieg weiter. Denn je schwächer die heimische Währung im Vergleich zu den anderen, um so günstiger können Unternehmen wie Toyota oder Takeda exportieren - zum Beispiel nach Europa. Exportstarke Unternehmen sind entsprechend für Aktieninvestoren eine naheliegende Wahl - "währungsgehedged", wie Stefan Hölscher von der Stubenrauch & Hölscher Fondsberatung sagt. Doch es bleibt eine Gefahr.

Denn schon in der Vergangenheit setzten japanische Aktien immer wieder kometenhafte Glanzlichter an der Börse - allerdings oft nur wenige Monate, um dann wieder zu verglühen. Manche Experten sind daher skeptisch, ob es den Währungshütern tatsächlich gelingt, den Teufelskreis aus rückläufigen Preisen, schwachem Konsum und geringen Investitionen der Unternehmen zu durchbrechen. Wenn zum Beispiel die Löhne nicht m selben Tempo wie die Preise steigen, könnte es passieren, dass das Wirtschaftswachstum am Ende ausbleibe, schreibt Torsten Gellert vom Brokerhaus FXCM. Andere werden noch deutlicher: "Japan spielt gerade Hazard", sagt Michael Dutz von der Vermögensverwaltung Adlatus Aktiengesellschaft. "Unter dem Motto - viel hilft viel - werden Milliarden in die Wirtschaft gepumpt. Für die Börsen ist das ein Traumszenario. Billige Währung, niedrige Zinsen, hohe Liquidität und Konjunkturprogramme, alles was ein Investor sucht. Der Nikkei wird nach unserer Einschätzung weiter in Richtung 20.000 Punkte steigen. Das böse Erwachen kommt dann in 2 Jahren, wenn die Investoren feststellen, dass es ein kurzer Rausch war und die exorbitante Staatsverschuldung in den Fokus gerät." Und das würden Mr. und Mrs. Watanabe sehr wohl merken.

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