manager-lounge Newsletter Oktober 2009

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local lounge Hannover:
Klagen ist Silber, Schweigen ist Gold

local lounge Hannover Das Internet wird oft als rechtsfreier Raum bezeichnet. Doch das stimmt nicht. Unternehmen und Privatperson können sich wehren, der juristische Weg birgt jedoch Gefahren. »weiterlesen

Wissensnetzwerk: Die aktuellen Diskussionen

Zu weiteren Diskussionen

Umfrage: Motivieren in der Krise

Motivieren in der Krise Mehr Belastung, weniger Kollegen, keine Fortbildung mehr - die Mitglieder der manager-lounge kennen Tricks, um Mitarbeiter und sich selbst immer wieder neu anzutreiben. »weiterlesen

local lounge Hamburg: „2011 wird das Problem akut“

Henrik Mueller Ein Jahr liegt der Ausbruch der Wirtschaftskrise zurück - sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen? Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur des manager magazins, mag keine Entwarnung geben. »weiterlesen

Terminvorschau

local lounge Düsseldorf: 13.10.2009, 19 Uhr

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Thema: Bedeutung von Visionen für Unternehmen & Marken
Referent: Guido Körfer, Director Client Services Euro RSCG

Einladung zur ESMT Open Lecture
Berlin: 14.10.2009, 12.30 Uhr

Weitere

Informationen

Thema: Lords of Finance - Vergleiche zwischen der aktuellen Wirtschaftskrise und der "Great Depression" von 1929
Referent: Liaquat Ahamed, „David Rubenstein Distinguished Visitor der American Academy“ in Berlin und Buchautor

local lounge Nürnberg: 15.10.2009, 19 Uhr

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Thema: Weltwirtschaft in Turbulenzen - Wege aus der Krise
Referent: Dr. Helmut Becker, Ex-BMW-Chefvolkswirt, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) in München

local lounge Stuttgart: 15.10.2009, 19 Uhr

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Thema: Geschäftsprozesse vernetzen, Effizienz steigern
Referent: Norbert Gödde, Geschäftsführer „Care Quality Services“ (CQS) und praxisorientierter IT-Visionär

local lounge Berlin: 21.10.2009, 19 Uhr

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Thema: WEB 2.0 - Wie entwickelt sich das Internet weiter?
Referent: Emilio Paolini, Geschäftsführer d-hosting GmbH

local lounge Hamburg: 22.10.2009, 19 Uhr

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Thema: Wohin steuert der deutsche Automobilmarkt?
Referent: Uwe Röhrig, Inhaber ICC-International Car Concept

local lounge Barcelona: 23.10.2009, 12 Uhr

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Thema/Referent: Dr. Marc Beise, Leiter Wirtschaftsredaktion, Süddeutsche Zeitung

local lounge Köln: 27.10.2009, 19 Uhr

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Thema: Wirtschaftsspionage im Web 2.0
Referent: Jürgen Krammer, Geschäftsführer Arenga GmbH

local lounge München: 28.10.2009, 19 Uhr

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Thema: Erfolgsfaktoren eines Innovationsexperten
Referent: Gert Hildebrand, Chefdesigner der BMW-Marke MINI

local lounge Barcelona: 30.10.2009, 12 Uhr

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Thema/Referent: Joachim Gauck, Pfarrer, Mitbegründer des Neuen Forums und Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

local lounge Frankfurt: 04.11.2009, 19 Uhr

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Thema: Erfolgsfaktor Stimme - Überzeugend auftreten
Referentin: Petra Ziegler, Management-Trainerin und Coach für Stimme, Sprechen und Sprache

local lounge Düsseldorf: 10.11.2009, 16 Uhr

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Thema: Kundenakquise für den Mittelstand (auf der b2d)
Referent: Badr Moudden, Commercial Manager European Key Accounts der Firma ERIKS Group NV

local lounge Berlin: 11.11.2009, 19 Uhr

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Thema: 20 Jahre Mauerfall - Berlin quo vadis ?
Referent: neuer Referent wird in Kürze bekannt gegeben

local lounge Düsseldorf: 12.11.2009, 18 Uhr

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Thema: Vertriebs- und Marketing-Abend der manager lounge
Referent: Andreas Buhr, Geschäftsführer go! Akademie für Führung und Vertrieb, Kai Sievers, Geschäftsführer dessign Werbeagentur und Dr. Michael Bartl, Vorstand HYVE AG

Zu weiteren Veranstaltungen

local lounge Hannover: Klagen ist Silber, Schweigen ist Gold

„Sie betreiben einen Blog auf der Webseite Ihres Unternehmens. Ein Gast beleidigt dort in einem Kommentar den Bürgermeister Ihrer Stadt. Müssen Sie dafür haften?“ Die Mitglieder der manager-lounge werden auf der Veranstaltung „Weblogs, Wikipedia & Co. - Rechtsrisiken für Unternehmen im Web 2.0.“ gleich mit einer spannenden Frage konfrontiert.

Rechtsanwalt Tobias Gostomzyk, Referent der Veranstaltung, kennt freilich die Antwort: „Ja, man muss haften - zumindest, wenn die Beleidigung trotz Kenntnis nicht gelöscht wird“. Schließlich müsse niemand „eine ehrverletzende Schmähkritik und deren Verbreitung hinnehmen“. Als Faustregel lasse sich merken: Man sei sofort zur Löschung verpflichtet, wenn man Kenntnis von rechtswidrigen Gästebucheintragungen erhalte.

Die Kaufentscheidungen verlagern sich ins Internet

Zu schnell verbreiten sich im Internet außerdem Texte über einen Weblog oder Zitate aus einem Forumsbeitrag. Das Ganze gleiche dann oft einer Lawine, die nicht mehr zu stoppen sei, wenn sie erst einmal ins Rollen gerate. Ein großes Problem für Unternehmen, über deren Produkte in Verbraucherforen diskutiert wird. Das ist mittlerweile Standard. Egal ob es sich um ein herkömmliches Duschgel, einen harmlosen Staubsauger oder einen sündhaft teuren Sportwagen handelt - die Kaufentscheidungen verlagern sich ins Internet.

„Moderne Rechtsberatung versteht sich deshalb auch als Reputationsmanagement für Unternehmen“, sagt Gostomzyk. Ziel sei es, mit Rechtsmitteln die Außenwahrnehmung von Firmen zu gestalten. Dabei gehe es um zwei Absichten: „Entweder die positive Aufmerksamkeit zu steigern und zu bewahren - etwa für Marken als Bestandteil des Unternehmensimages. Oder einer negativen Aufmerksamkeit wie unlauterer Produktkritik wirksam entgegen zu treten.“

Wann sind Rechtsmittel wirksam - und wann nicht?

So kann es im Fall von Weblogs diverse presserechtliche Ansprüche geben: Die Gegendarstellung, die Unterlassung, den Widerruf beziehungsweise die Berichtigung oder den Schadenersatz. Hinzu kommt die mögliche Durchsetzung von Abwehransprüchen. „Vorprozessual kann das eine Abmahnung sein, bei einem gerichtlichen Vorgehen eine einstweilige Verfügung oder eine Hauptsacheklage“, so Gostomzyk.

Doch wann sind Rechtsmittel wirksam - und wann nicht? Schreibt zum Beispiel bei Twitter eine unbekannte Person unter einem fremden Namen, etwa eines Unternehmenschefs, dann kann man sich wehren. Das Namensrecht ist durch das Bürgerliche Gesetzbuch geschützt. Auch eine Persönlichkeitsverletzung könnte in diesem Fall vorliegen, bei Nutzung von Fotos des Betroffenen könnte darüber hinaus das Recht am eigenen Bild verletzt sein.

Keine Kontrolle mehr über den Kommunikationsverlauf

Doch oft ist es wohl besser, nicht juristisch gegen unliebsame Einträge im Netz vorzugehen. Das weiß mittlerweile auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger. Dieser wurde in einem Weblog des Journalisten Jens Weinreich als „unglaublicher Demagoge“ bezeichnet - zunächst nahezu unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Doch der DFB-Primus ging vor Gericht, die Stimmung in den Medien war daraufhin schnell gegen ihn.

Als der Fall sogar vor den Bundesgerichtshof gehen sollte, richtete Weinreich ein Spendentool auf seiner Internetseite ein, um das hohe Prozesskostenrisiko abzusichern. In kurzer Zeit kamen mehr als 20.000 Euro zusammen. Jeder Schritt wurde ausführlich in Weinreichs Weblog dokumentiert, Zwanziger hatte keine Kontrolle mehr über den Kommunikationsverlauf. Im Gegensatz zum Journalisten Weinreich, der sich am Ende sogar über die Nominierung zum Grimme-Online-Award freuen durfte.

Der Fall Lutz Heilmann bei Wikipedia

„Ein gutes Beispiel dafür, dass es manchmal besser ist, keine juristischen Schritte einzuleiten“, so Medienanwalt Gostomzyk. Denn das Rechtsrisiko ist häufig zu hoch - was auch für unliebsame Wikipedia-Artikel gilt. „Das ist besonders problematisch, denn der eigentliche Betreiber der Seiten, die Wikimedia-Stiftung, sitzt in den USA.“ Der deutsche Verein Wikimedia ist dagegen weder Provider noch Urheber der Inhalte. Als Handlungsoption im Streitfall empfiehlt der Rechtsexperte deshalb zunächst, den Artikel selbst zu editieren oder die entsprechende Diskussionsseite zu nutzen.

Auch das Supportteam könne man gegebenenfalls anschreiben, rät der Anwalt, denn der juristische Weg kann negativere Folgen haben als der umstrittene Eintrag selbst. So wurde wegen einer einstweiligen Verfügung des Linken-Politikers Lutz Heilmann Wikipedia-Deutschland kürzlich vorübergehend komplett abgestellt. Ein ganzes Wochenende gab es von dort keine Verlinkungen mehr auf www.wikipedia.org. „Millionen von Nutzern besuchten in der Zeit die Seite und wurden enttäuscht, für den Politiker war das Ganze ein Eigentor, denn so wurde seine Geschichte erst recht publik.“ Heilmann ruderte daraufhin zurück, doch der erlittene Reputationsschaden war größer als zuvor.

Gostomzyk rät zu einem sorgsamen Abwägen. Sicher ist nur: „Wir können derzeit ein Leerlaufen des herkömmlichen Medienrechts beobachten - eine direkte Folge der Digitalisierung und der Internationalisierung.“ Zwischen Rechts- und Kommunikationsberatung abgestimmte Strategien seien mithin von Nöten, die hierfür notwendigen Experten aber noch rar.

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Umfrage: Motivieren in der Krise

Der Ruf der Manager hat in der Wirtschaftskrise arg gelitten. Haftungsklagen und Gehälterdebatten machen den Vollzeitjob noch härter als ohnehin schon. Trotzdem müssen auch in schweren Zeiten die Mitarbeiter motiviert werden, die oftmals unter Sparmaßnahmen leiden und im schlimmsten Fall nur noch an Bord sind, weil es auf dem Arbeitsmarkt derzeit eher düster aussieht.

Kein Problem ist dies jedoch für die meisten Mitglieder der manager-lounge. 46 Prozent sagen in einer Umfrage, dass sie immer wieder neue Wege finden, ihre Kollegen zu motivieren. Ein Viertel der Befragten braucht das gar nicht, denn die Motivation in ihrem Betrieb ist weiterhin ungebrochen. 15 Prozent finden immer wieder einen Grund, neu durchzustarten, auch wenn ihr Antrieb derzeit im Keller ist. Lediglich 11 Prozent bleiben eher passiv und hoffen auf bessere Zeiten. Und nur 2 Prozent bezeichnen die Stimmung als düster - hier hat die Motivation anscheinend den Nullpunkt erreicht.

„Viele Führungskräfte verkriechen sich in ihren Büros!“

Gewiss nicht zu dieser Gruppe gehört der Schweizer Kommunikationsexperte Reinhard Frei: „Motivieren kann man nur sich selber, nie die anderen. Wer selber motiviert ist, der steckt an, der kann begeistern, aber nicht motivieren - das muss jeder selbst“, so das Mitglied der manager-lounge. In einer Krise müsse man sich auch an Strohhalmen festhalten, kleine Erfolge feiern und auch mal etwas anderes tun, Altes neu sehen oder neu anpacken.

Ulrich Rohde von der Management Akademie München beobachtet derzeit in vielen Unternehmen das Bild überforderter Managern, die in guten Zeiten nichts falsch machen konnten, nun aber Schwächen zeigen. Das trage zur Demotivation der Mitarbeiter maßgeblich bei. „Viele Führungskräfte verkriechen sich in ihren Büros und führen nur durch E-Mails und sonstige unpersönliche Vorgehensweisen“, berichtet Rohde.

Finanzielle Anreize fallen weg

In der Krise sei es aber vor allem wichtig, sich im Betrieb sehen zu lassen, auf Fragen der Mitarbeiter einzugehen und ehrliche Antworten zu geben. „Machen Sie den Mitarbeitern Mut durch eine klare und verständliche Darstellung der von der Unternehmensführung zur Zukunftssicherung getroffenen Maßnahmen“, rät Rohde.

Auch Nevzat Öztürkmen kritisiert die aktuelle Managergeneration. Gerade im Vertrieb oder Marketing sei dies erschreckend. „Als Wachstum einfach zu erzielen war, es einen Verteilermarkt gab, der Kunde keiner Reizüberflutung ausgesetzt war - da war Führung einfach. Mit Boni, Incentives und Reisen konnte man sogar Mitarbeiter motivieren, welche innerlich eigentlich schon gekündigt hatten, des Geldes wegen jedoch weiter 150 Prozent gegeben haben“, so Öztürkmen.

Nun fallen diese Dinge dem Sparzwang zum Opfer. Deshalb seien heute andere, kreative Ideen gefragt. „Die Führungskräfte müssen erkennen, welche Pflichten sie haben. Gerade für die eigene Entwicklung sollte jetzt Zeit investiert werden“, sagt der Manager und fordert eine verpflichtende Coaching-Ausbildung. Denn in der Krise gelte vor allem das Wissen um die eigenen Schwächen.

Wie in einem Betrieb geführt wird, sei laut Olaf Hinz von zentraler Bedeutung, denn letztendlich verlassen die Mitarbeiter bei einer Kündigung ja nicht ihr Unternehmen, sondern ihre Führungskraft. „Das heißt für die Chefetage vor allem: Schieben Sie nicht Dienst nach Plan, sondern führen Sie mit jedem Teammitglied regelmäßig Dialoge, statt nur die Punkte auf dem Bogen Mitarbeitergespräch abzuhaken“, sagt Hinz.

„Die Chance nutzen, um Prozesse, Kommunikationsweisen und andere Dinge zu hinterfragen“

„Wer sich in der aktuellen Situation nur noch von Boni motivieren lässt, hat längst verloren - und zwar auf lange Sicht“, so Sabine Neumann von der Weberbank. Führungskräfte sollten die Krise vielmehr als Chance nutzen, um Prozesse, Kommunikationsweisen und andere Dinge zu hinterfragen. "Was können wir besser machen, um noch erfolgreicher zu sein?“

Führungskräfte sollten auch sich selbst hinterfragen. Sollte man als Führungskraft immer nur Anweisungen vom Spielfeldrand aus geben oder ist es nicht sinnvoller und vor allem zeitgemäßer, sich regelmäßig ins Spiel einzubringen? Ihr Ratschlag bringt es auf den Punkt: „Spürt ein Mitarbeiter, dass er von seinem Chef fachlich und als Person respektiert wird, dann muss man gar nicht erst über so etwas wie Motivation nachdenken.“

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local lounge Hamburg: „2011 wird das Problem akut“

„Wie geht es weiter nach der Krise?“ lautet die simpel gestellte Frage - doch die Antworten darauf sind durchaus weniger einfach. In seinem Vortag vor den Mitgliedern der manager-lounge stellte Henrik Müller die Gefahr einer hohen Inflation in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: „Das Thema wird in den nächsten Jahren jeden von uns beschäftigen“, so der stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

„Viele Indikatoren zeigen derzeit, dass sich die Krise zurückbildet“, so Müller. Wenn nun aber die Wirtschaftsleistung wieder anspringe, dann steige auch die Inflationsgefahr. Für Müller ist die Situation eindeutig: „Die Staatshaushalte laufen aus dem Ruder - dank der durch Cash befeuerten Vollgasökonomie dieser Tage surft die Welt auf einer Geldwoge. Als Folge werden wir eine neue Phase offener Inflation erleben.“

„Die Inflation war also nie wirklich weg, nur zurückgestaut“

Eine verdeckte Inflation gab es auf den Märkten für Vermögensgüter wie Aktien, Rohstoffe, Kunstwerke oder aber auch für Spitzenrotweine und seltene Briefmarken schon lange. „In den Jahren 2000 bis 2007 stiegen die US-Häuserpreise um 40 Prozent, in anderen Ländern sogar noch stärker“, berichtet Müller. „Wir haben also bereits eine inflationäre Politik erlebt - die Verbraucherpreisindizes zeigen dies jedoch nicht an.“ Häuserpreise finden sich beispielsweise nicht in dem Warenkorb wieder, der zur Berechnung der Inflation herangezogen wird.

„Die Inflation war also nie wirklich weg, nur zurückgestaut. Eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung dürfte auch die Lohn-Preis-Spirale spielen: Diese war in den 70er Jahren aus dem Ruder gelaufen, in den 80ern wieder unter Kontrolle und in den 90ern sogar unterdrückt - durch entmachtete Gewerkschaften und einen harten Standortwettbewerb“, so der Wirtschaftsexperte. Da die Gewerkschaften wieder erstarken, könne auch die Lohn-Preis-Spirale wieder in Gang gesetzt werden.

„Wie bekommen wir die Zahnpasta zurück in die Tube?“

„Derzeit sehen wir eine Schwäche des Dollar und eine Stärke des Goldpreises - das sind Vorboten einer großen Nervosität in den Märkten“, sagt Müller. Die Notenbanken fluten den Geldmarkt mit immer noch mehr Liquidität, die Schulden werden ständig größer. Berechtigt ist die Frage, wie die ganzen Summen, die in die Märkte gepumpt wurde, wieder eingefangen werden? „Ein großes Thema bei den Notenbanken, doch sie sagen uns nicht, wie und wann sie was tun wollen.“

Der scheidende Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) drückt das Problem gerne bildlich mit der Frage „Wie bekommen wir die Zahnpasta zurück in die Tube?“ aus. „Technisch würde es sicherlich gehen, doch ist es auch politisch gewollt?“, lautet die Gegenfrage Müllers, der zugleich auf ein besonderes Problem in diesem Zusammenhang verweist. „Die Volkswirte der großen Investmentbanken machen bereits Stimmung, damit die Gelder nicht wieder eingezogen werden.“ Aus deren Sicht sei das sogar nachvollziehbar, denn die Investmentbanken verdienen dank niedriger Zinsen schon wieder gut. Die Banklobbyisten bestürmen das Finanzministerium, die Regulierung der Märkte nicht zu stark ausfallen zu lassen. Ihr fatales Hauptargument: „Es läuft doch wieder.“

Demographische Entwicklung = steigende Inflation?

„Es gibt Staats- und Marktversagen - wir haben in der Krise beides erlebt“, so Müller. Sein Szenario: „Die Phase inflationsfreien Wachstums ist definitiv vorbei. Vor etwas über einem Jahr, also noch vor dem Zusammenbruch der Lehman-Bank, haben wir bereits die Rohstoff- und Ölpreise auf einem sehr hohen Niveau gesehen. Die Phase einer verdeckten könnte nun in eine offene Inflation übergehen.“

Zu den Preistreibern gehört unter anderem die enorme Staatsverschuldung, die das Wachstum bremst, denn der Staat wird bei Investitionen sparen müssen. Auch der große Liberalisierungsschub ist vorbei, durch weniger Wettbewerb erhöht sich automatisch die Preissetzungsmacht. „Auch sehen wir eine neue Welle des Protektionismus - dadurch gibt es weniger internationalen Wettbewerb“, sagt Müller. Darüber hinaus spricht die demographische Entwicklung für eine steigende Inflation: „Die Anzahl der Beschäftigten wird langfristig knapper, dadurch steigen die Löhne - ein erfahrener Autobauer ist in der Altenpflege halt nicht so gut einsetzbar.“

Möglicherweise Hyperinflation?

Eine weitere Verschärfung der Situation droht durch die Politik: „Die USA werden die Inflation nicht ernsthaft bekämpfen. Der Dollar wird abschmieren, dadurch werden monetäre Standards kippen“, so Müller. Bisher galten 2 Prozent Inflation als okay. Nun gibt es bereits Ökonomen, die sagen, 5 Prozent wären auch in Ordnung. Und viele gehen bereits von deutlich höheren Raten aus - bis hin zu einer Hyperinflation.

„Europa wird sich dem nicht entziehen können - im Jahr 2011 wird das Problem akut“, warnt Müller die Mitglieder der manager-lounge am Ende seines Vortrags. Sein abschließender Tipp: „Man sollte auf diese Entwicklung gut vorbereitet sein. Wer von Ihnen zum Beispiel eine Lebensversicherung hat, sollte in Erwägung ziehen, diese demnächst zu verkaufen - ich denke auch gerade darüber nach.“

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