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manager-lounge Newsletter Oktober 2010

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„Einstweilige Verfügungen auf dem Messestand“

Chinas Wirtschaft boomt. Und wird zugleich heftig kritisiert, da einige Unternehmen erfolgreiche Produkte einfach kopieren. manager magazin sprach mit dem China-Experten Helmut von Siedmogrodzki und dem Patentanwalt Christoph Lenz, beide Mitglieder der manager-lounge, über den Kampf gegen Plagiate. »weiterlesen

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Umfrage manager-lounge: Resilient, nicht robust

In Istanbul wollte das Global Economic Symposium der Politik klare Lösungsvorschläge für die drängenden wirtschaftlichen Probleme auf den Schreibtisch legen. Eine Kärrnerarbeit, die auch mit dem dortigen Schlusswort längst nicht beendet ist. So wird auch in der manager-lounge dazu diskutiert. »weiterlesen

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local lounge Barcelona: Schwarzarbeit muss zur Weißarbeit werden

Politikern würde Hans-Olaf Henkel vermutlich gern einiges in Stammbuch schreiben. Aber auch ansonsten macht sich der ehemalige BDI-Präsident ganz eigene Gedanken - mit Blick auf den Euro, aber auch auf den deutschen Arbeitsmarkt. »weiterlesen

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Terminvorschau

local lounge Nürnberg: 19.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Bye Management! - Warum Management verzichtbar ist
Referent: Niels Pfläging, Autor & BetaCodex Network Associate

local lounge Köln: 19.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Die nächste Stufe der Krise: Der Inflationsschock
Referent: Dr. Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur manager magazin

local lounge Berlin: 20.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Corporate Games - Spiele für die Industrie
Referent: Prof. Carola Anna Elias, University of Applied Sciences, Dozentin für Medienmanagement; Geschäftsführung CAE-BRANDCONSULTING

local lounge München: 21.10.2010, 18.30 Uhr

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Thema: Grenzenlos im Einsatz - Immer am Limit
Referent: Dr. Dorit Maoz, Ärzte ohne Grenzen

local lounge Frankfurt: 21.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Ganzheitliche Gesundheit: Der Megatrend
Referent: Dr. phil. Elisabeth Ixmeier, Mitbegründerin der globalen Dachmarke HEALING HOTELS OF THE WORLD

local lounge Bielefeld: 21.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Tarifpluralität: Vor- oder Nachteil für Betriebe?
Referent: Norbert Hansen, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmens- und Managementberatung Hansen & Partner

local lounge Stuttgart: 21.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Burn-Out Prävention für Führungskräfte
Referent: Prof. Dr. E. Edinger, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie mit Zusatzqualifikationen

local lounge München: 21.10.2010, 19 Uhr

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Thema: Bye Management - Warum Management verzichtbar ist
Referent: Niels Pfläging, Autor & BetaCodex Network Associate

local lounge Zürich: 27.10.2010, 18 Uhr

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Thema: Vortrag: Stadtpräsidentin Zürich: Corine Mauch
Referent: Corine Mauch, Stadtpräsidentin Zürich

Hamburg: 30.10.2010, ab 11 Uhr

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Freikarten zur Genießermesse VinoRell 2010 Hamburg
Sonstige Veranstaltungen 100 verschiedene Winzer stellen sich vor

local lounge Hannover: 03.11.2010, 19 Uhr

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Thema: Bye Management - Warum Management verzichtbar is
Referent: Niels Pfläging, Autor & BetaCodex Network Associate

local lounge Hamburg: 04.11.2010, 19.30 Uhr

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Thema: Editionsmenü im Poletto Hamburg & Rindchen`s Wein
Referent: Cornelia Poletto, Sterneköchin + Kochbuchautorin & Gerd Rindchen, seit über 30 Jahren Weinimporteur

local lounge Barcelona: 05.11.2010, 12 Uhr

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Thema: Prof. Dr. Michael Madeja, GF Hertie-Stiftung
Referent: Prof. Dr. Michael Madeja, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Neurowissenschaftler, Professor an der Universität Frankfurt/Main

local lounge Zürich: 10.11.2010, 18 Uhr

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Thema: Ideen auf Knopfdruck: Entfalten Sie Ihr Potenzial
Referent: Peter Kürsteiner, Coach und Autor

local lounge Bielefeld: 10.11.2010, 19 Uhr

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Thema: Was Unternehmen langfristig stark macht
Referent: Dr. Stefan Fourier, Unternehmer und Autor

Zu weiteren Veranstaltungen

„Einstweilige Verfügungen auf dem Messestand“

Hamburg - Produktpiraterie verursacht allein in Deutschland einen volkswirtschaftlichen Schaden in deutlich zweistelliger Milliardenhöhe. Mehr als zwei Drittel aller weltweit gefälschten Waren stammen aus Asien, besonders viele davon aus China. Im Zwiegespräch der manager-lounge berichten zwei Experten von ihren Erfahrungen. Helmut von Siedmogrodzki war 16 Jahre als Manager in China tätig, zuletzt als Vice President bei Siemens, und erlebte in dieser Zeit Produktfälschungen oft hautnah. Sein Gegenüber Christoph Lenz kennt sich als Rechtsanwalt der Kanzlei Howrey mit gewerblichen Schutzrechten bestens aus.

mm: Produkt- und Markenpiraterie scheinen vor allem in China weit verbreitet. Ist die Lage wirklich so schlimm oder gehört Jammern auch hier zum Geschäft?

Von Siedmogrodzki: Es wird tatsächlich eine Menge kopiert, vor allem bei Textilien, Tonträgern und elektronischen Erzeugnissen. Dazu muss man allerdings auch sagen, dass in westlichen Ländern eine sehr große Nachfrage nach billigen Kopien vorhanden ist. Der reiche Chinese dagegen gibt mittlerweile gerne viel Geld für Originale aus. Doch auch im technischen Bereich wird vieles abgeguckt, so habe ich zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass elektronische Bauelemente von Epcos eins zu eins übernommen wurden.

Lenz: Produkt- und Markenpiraterie verursacht in Deutschland jedes Jahr und mit steigender Tendenz enormen volkswirtschaftlichen Schaden, wobei die Plagiatoren nach meiner Erfahrung zunehmend professioneller vorgehen. Dadurch werden Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Produkt- und Markenpiraterie schadet aber ebenso dem Endverbraucher. Wenn dieser die Fälschung nicht als solche erkennt, kann sie sogar seine Gesundheit gefährden, zum Beispiel im Fall minderwertiger Autoersatzteile, dem Original nicht entsprechender Pharmazeutika sowie schad- oder giftstoffbelasteter Sport- und Spielwaren.

mm: Haben Unternehmen nicht selbst schuld, wenn sie zu blauäugig und nur auf Wachstum fokussiert nach China gehen, ohne den Markt dort zu kennen?

Lenz: Betroffen sind keineswegs nur Unternehmen, die in China produzieren oder in dieses Land exportieren. Jedes Produkt und jede Marke von jedem Unternehmen, gleichgültig welche Herstellungs- und Vertriebspolitik dieses verfolgt, ist gefährdet - einzig vorausgesetzt, der Produkt- oder Markenpirat kann mit seinen Nachahmungen oder Fälschungen Gewinn erwirtschaften. Unternehmen, die Teile ihrer Produktion aus Kostengründen nach China verlegen, laufen natürlich besonders Gefahr, dass das dorthin verbrachte Know-how übernommen und die Technologieprodukte, deren Produktion dorthin verlegt worden ist, kopiert werden.

Von Siedmogrodzki: Die meisten Unternehmen, die ich kenne, fürchten, dass ihre Produkte in China kopiert werden. Tritt dies dann wirklich ein, trifft die Unternehmen in meinen Augen jedoch keine Schuld.

mm: Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen können Fälschungen zu einem existenziellen Problem werden. Doch es drohen nicht nur Umsatzeinbußen, auch das Image kann Schaden nehmen.

Von Siedmogrodzki: Das stimmt, die Qualität der gefälschten Ware kann häufig mit dem Original nicht mithalten, das kann zu einer Gefahr für die Marke werden. Doch da die Ingenieure in den Kopierfirmen meist nicht in der Lage sind, die Produkte weiterzuentwickeln, sind die Originalhersteller in der Technik oft schon viel weiter, so dass sich der Kunde dann lieber für die Neuheit entscheidet.

Lenz: Kleine und mittelständische Unternehmen verfügen in der Regel über ein überschaubares Portfolio geistiger Eigentumsrechte, die in deren Produkten realisiert sind und in denen die entscheidenden Vorteile gegenüber Konkurrenzprodukten verkörpert sind. Die Nachahmung oder Fälschung eines wichtigen Produkts oder die Täuschung über die Herkunft können dann in der Tat leicht zu einer existentiellen Bedrohung für das betroffene Unternehmen werden. Umso wichtiger ist es, dass auch diese Betriebe ihre technischen Innovationen durch Patent- und Gebrauchsmusterrechte und ihre Kennzeichen durch Marken dort schützen, wo ihre bedeutendsten Märkte liegen. Dort können dann diese gewerblichen Schutzrechte gerichtlich durchgesetzt werden.

mm: Lohnt es sich denn im Schadensfall überhaupt, in China vor Gericht zu gehen? Oder ist der Kosten- und Zeitaufwand zu hoch? Und ist die chinesische Justiz überhaupt schon so weit, solche geistigen Eigentumsrechte anzuerkennen?

Lenz: In den meisten Fällen geht es gar nicht darum, in China gegen dort hergestellte Nachahmungen und Fälschungen vorzugehen. Viel wichtiger ist es, auf dem europäischen und gegebenenfalls amerikanischen und japanischen Markt rechtliche Schritte gegen dorthin aus China exportierte oder auf Fachmessen beworbene Nachahmungen und Fälschungen ergreifen zu können. Dazu bedarf es keines Schutzrechts in China, sondern solcher in den betreffenden Staaten. Werden Nachahmungen oder Fälschungen dann auf einer Messe ausgestellt, ist schnelles Handeln gefragt. So hat der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung den Charme, dass sie dem ausländischen Piraten noch auf dem Messestand zugestellt werden und damit juristisch formuliert vollzogen werden kann.

Von Siedmogrodzki: Zum Rechtswesen in China kann ich sagen, dass es sich deutlich verbessert hat, manchmal mangelt es allerdings noch an der Durchsetzungsfähigkeit. Doch auch in China gibt es auf diesem Gebiet zunehmend versierte Anwälte. So konnten einige Software-Unternehmen kürzlich entsprechende Rechtsstreitigkeiten vor Gericht gewinnen.

mm: Wagen Sie eine Prognose - wird sich der Trend zur Produktpiraterie in China fortsetzen?

Von Siedmogrodzki: Das glaube ich nicht. Mit der Innovationsinitiative der chinesischen Regierung wird es immer mehr Eigenentwicklungen geben. Je mehr chinesische Unternehmen selbst innovative Produkte entwickeln, umso stärker wird das Kopieren abnehmen, da die Entwickler ein erhöhtes Eigeninteresse an der Bewahrung des Urheberrechts haben. Schauen Sie nach Japan - dort wurde früher auch viel kopiert, mittlerweile so gut wie gar nicht mehr.

Lenz: Wenn auch im Grundsatz richtig, kann ich dem so doch nicht ganz zustimmen. Die Zahl der Produktnachahmungen und -fälschungen, die in China hergestellt und nach Deutschland exportiert oder auf Messen ausgestellt werden, bewegt sich, wie die Aufgriffe der Zollbehörden, die seit Jahren kontinuierlich zwischen 28,57 und 35,80 Prozent der Aufgriffe ausmachen, auf höchstem Niveau. Es ist nicht zu erwarten, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert. Entscheidend ist, dass Produkt- und Kennzeichenpiraterie mit dem geeigneten rechtlichen Instrumentarium begegnet werden kann. In Deutschland hat sich diese Effektivität als Motor innovativer Wirtschaft erwiesen.

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Umfrage manager-lounge: Resilient, nicht robust

Supermann pflegte die Welt an einem Nachmittag zu retten. Und hätte es kein Kryptonit gegeben, wer weiß, ob uns nicht die Wirtschaftskrise erspart geblieben wäre. So aber bleibt es nur, in mühsamer Arbeit die Folgen der Krise abzuarbeiten. Deutlich wurde das unter anderem in Istanbul, wo Ende September das Global Economic Symposium tagte.
Ein Forum, auf dem sich führende Wissenschaftler wie Dennis Snower, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, aber auch Pragmatiker aus der Wirtschaft wie der Direktor der türkischen Zentralbank, Durmus Yilmaz, trafen. Die Ziele des Symposiums waren auf der einen Seite hoch gesteckt. Immerhin sollten konkrete Vorschläge auf den Tisch kommen, wie mit der alternden Gesellschaft in den westlichen Ländern umzugehen sei, was die Umweltprobleme lösen könne oder die Verschuldung von Staaten. Auf der anderen Seite verfolgt Dennis Snower, treibende Kraft hinter dem Stelldichein, einen durchaus pragmatischen Ansatz. Die Zeit der Blütenträume ist offenbar sowohl in Chefetagen als auch in Denkerstuben vorbei.

Insolvenzprozedur für Staaten?

„Stabilität ist in meinen Augen derzeit kaum zu erreichen, wir befinden uns in einem instabilen Gleichgewicht, sei es beim Klima oder bei der Wirtschaft, schreibt er zum Beispiel in der manager-lounge. Man könne daher nur das Ziel der Resilienz erreichen. Einer gewissen Robustheit gegen exogene Schocks. Doch dazu müsste die Politik eine ganze Reihe Schritte in die Wege leiten. Beispiel Europa: Im Frühjahr zerrte Griechenlands Wirtschaft die gesamte Euro-Zone in die Nähe des Abgrunds. Was also künftig tun? Einen europäischen Währungsfonds einführen, fordert zum Beispiel Daniel Gros, Direktor des Centre for European Studies und wirtschaftlicher Berater der Europäischen Kommission und des Internationalen Währungsfonds. „Zum einen würde die Finanzierung des Fonds den Ländern einen klaren Anreiz liefern, ihre Haushalte stets in Ordnung zu halten. Zum anderen, und das ist vielleicht sogar noch wichtiger, würde der EMF eine reguläre Insolvenzprozedur für Staaten festlegen, so dass die damit einhergehenden Verwerfungen minimiert werden würden.“ Und in genau diesen EMF „sollten die bereits bestehenden 860 Milliarden Euro für Griechenland und der Stabilisationsmechanismus für den Euro überführt werden.“ Rückmeldung aus der aktiven Politik - bislang Fehlanzeige.

Leistungsindikatoren zusätzlich zum BIP sind notwendig

Auch Wolfgang Schüssel, ehedem Politiker und inzwischen im Aufsichtsrat von RWE, versuchte in der türkischen Hauptstadt einer Idee Gehör zu verschaffen. „Um den Zustand einer Volkswirtschaft präzise erfassen zu können, sollte es eine anerkannte Garnitur von Leistungsindikatoren geben, die eine Diagnose des Zustands des Systems vereinfachen“, sagt er. „Heute herrscht ein einziger Indikator vor - das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Wachstum ist essentiell. Aber die Frage ist - welche Art Wachstum? Diese Frage anzugehen umfasst eine doppelte Anstrengung der Regierung. Zum einem muss das Wachstum des BIP um Indikatoren des ökologischen und sozialen Fortschritts ergänzt werden. Zum anderen muss das BIP es so aufbereiten, dass es mehr abdeckt als nur materielles Wachstum“. Keine neue Forderung - doch bislang immer wieder in den Schubladen dieser Welt gelandet. Auch jetzt wieder?

„Nun brauchen wir Öffentlichkeit“

Snower selbst ist da durchaus optimistisch. „Mit Blick auf die Politik ist uns da durchaus einiges gelungen, zum Beispiel die OECD oder der Internationale Währungsfonds.“ Dass das nur ein erster Schritt sein kann, weiß auch Snower. „Nun brauchen wir Öffentlichkeit. Die Vorschläge müssen dort diskutiert werden. Denn auch so kann Druck auf Politiker ausgeübt werden.“ Vor allem aber setzt Snower auf die Macht der Beispiele. „Wir werden jetzt konkrete Projekte umsetzen, die zeigen, wie diese Ideen funktionieren.“ Das sehen auch die Gäste des Forums ähnlich.

„Für mich war dies die erste GES und ich bin von dem Konzept sehr angetan“, sagt Edda Schröder, Geschäftsführerin von Invest in Visions, einer Fondsboutique, die sich auf Mikrokredite spezialisiert hat. „So ein Forum zu kreieren, in dem sich Menschen (vor allen Dingen auch junge Menschen) aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mit globalen Herausforderungen auseinandersetzen und Lösungsvorschläge erarbeiten finde ich sehr interessant. Jetzt kommt es natürlich darauf an, wie diese Ideen weiter verfolgt werden können und eine Umsetzung erfolgen kann“. Die Forderungen an die Politik sind also klar: „Politiker könnten erst einmal zuhören, dann die interessanten Ideen aufgreifen und in internationalen Gremien (G20) diskutieren und einen Umsetzungsplan erarbeiten lassen“, sagt Schröder. „Nur darüber reden hilft der Umwelt, den Menschen, der Wirtschaft nicht.“

„Die Welt resilienter machen“

Dass es nur beim Reden bleibt, das scheint auch bei den Mitgliedern der manager-lounge die Hauptsorge zu sein. Jürgen Schmidt zum Beispiel von Taller: „Ich sehe außer vielen verbalen Wortgetöses von Seiten der Politik kein konkretes, der Maßlosigkeit der Finanzwirtschaft Einhalt gebietendes Handeln“, schreibt er. Eine düstere Prognose wagt dann auch Christian Voigt von Siemens: „Auslöffeln müssen die Suppe die Unternehmen und Konsumenten. Ist leider immer so.“ In gewisser Weise stoßen sie damit in das gleiche Horn wie Snower selbst. Die Sicherheit oder Stabilität, wie es sie vielleicht im Deutschland der 70er Jahre noch gab, dem Deutschland der Deutschland AG, es gibt sich nicht mehr, „Die Politik sollte sich vom Ziel verabschieden, durch ihre Handlungen Stabilität zu erzeugen“ schlussfolgert Snower. Stattdessen muss sie daran arbeiten, die Welt resilienter zu machen. Supermann hätte vermutlich resigniert mit dem Kopf geschüttelt.

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local lounge Barcelona: Schwarzarbeit muss zur Weißarbeit werden

Von dort oben ist die Stadt ein steinernes Meer. Oben, das ist der zwölfte Stock des Hotels Princessa Sofia. Im schmutzigen Weiß streckt sich Barcelona kilometerweit von den Hügeln bis hin zum Meer. Zerschnitten von der Einfallstraße Avenida Diagonal, ab und zu unterbrochen von hohen Gebäuden wie der Kathedrale Sagrada Familia oder auch den Doppeltürmen am Meer, einer von der Versicherung Mapfre, der andere ein Hotel. Hans-Olaf Henkel dreht dem Panorama dennoch den Rücken zu und spricht von Deutschland und vom Euro.

„Die Stärke Deutschlands liegt in der Kraft der kleinen, mittleren und großen Unternehmen“, sagt der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Sie haben die Krise benutzt, um selbst schlanker, kostengünstiger und innovativer zu werden. Kein Wunder, dass wir deshalb heute von unserer Exportstärke profitieren. Leider hat die Politik die Krise nicht benutzt, um die deutsche Gesellschaft auch insgesamt wettbewerbsfähiger zu machen. Deshalb bewegt sich unser Land heute mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten: die Industrie ist auf Zack und bewegt sich schnell, der Rest der Gesellschaft hinkt hinterher.“

Von Würde und Menschenrechten

Das kann sich auch in ganz grundsätzlichen Dingen niederschlagen. „Einwanderer beherrschen in der Regel die deutsche Sprache nicht“, sagt er. „In Frankreich oder Großbritannien ist das regelmäßig anders.“ In einer Wissensgesellschaft wie der deutschen, werden Ökonomen nicht müde zu schreiben, ist die Kenntnis der Sprache unersetzlich. Dann fragt jemand aus dem Publikum, alles Mitglieder der Kreises Deutschsprachiger Führungskräfte (KDF), nach Thilo Sarrazin.

Ein kurzer Moment Stille: „Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Auch eine Bundesbank darf sich nicht von der Politik beeinflussen lassen. Er selbst, berichtet Henkel, habe Sarrazin einen offenen Brief geschrieben und darin gesagt, er unterstütze seine Thesen. Damit ist Henkel bei einem weiteren sensiblen Thema, dem Islam. Der wahre nicht die Menschenrechte der Frauen. Doch eben jene Menschenrechte sollten universell gelten.

Menschenrechte - ein Thema mit einer gedanklichen Tiefe, die er beim Durchschnittsdeutschen vermisst? Obwohl Henkel ein Freund deutlicher Worte ist, wäre er zu höflich, auf diese fiktive Frage zu antworten. Politikverdrossenheit, die beobachtet allerdings. Und führt auch die momentane Stärke der Grünen in den Umfragen darauf zurück. Das sei ein „Spiegelbild der Verdrossenheit, die Nichtwähler fühlen sich unbeachtet.“ Einen Hinweis für die Gescholtenen hat er gleich parat. „Wir zahlen zuviel für Nichtarbeit. Es lohnt sich nicht, Geld zu verdienen. Die Schwarzarbeit muss zur Weißarbeit werden. Da muss der Staat ansetzen.“ Und der Euro?

Der Euro in Gefahr?

Auch Henkel war einmal ein „glühender Befürworter des Euro“. Vor gut elf Jahren, berichtet er, habe er den seinerzeitigen Präsidenten José María Aznar besucht und sich im Anschluss daran in Deutschland auch für Spanien als Euromitgliedsland ausgesprochen.

Die griechische Gefahr, Henkel hat es an anderer Stelle beschrieben, habe man damals nicht gesehen. Ob der Euro selbst in Gefahr sei? „Die Katastrophe liegt im Wandel von einer Währungs- zu einer Transferunion, die den deutschen Steuerzahler für andere EU-Länder nun in Mithaftung nimmt“, schrieb er in einem Gastbeitrag im Mai für das Hamburger Abendblatt. Man solle die Währung zweiteilen und damit den Euro retten. Klare Worte. Den Zuhörern gefällt es.

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